Artikel

Ein Derwisch zwischen drei Atemzügen

RÉCIT EN TROIS SUFFLES

De Julien Mabiala Bissila Avec Eric Affocou Mise en scène Oumarou Aboubacari Bétodji Collaboration s Steve Karier, Martin Engler 

Auf der Bühne steht ein Hocker mit einem Telefon darauf und eine mit Frischhaltefolie umwickelte Kleiderstange hinter der sich der Schauspieler Eric Affocou zu Beginn verbirgt.

In drei Runden fächert der Regisseur Oumarou Aboubacari, den wir alle als Beto kennen, den Text des Autors Julien Mabiala Bissila vor uns auf. Mit kräftigen Figuren und einem komödiantischen Spielstil greift sich Eric Affocou die Bühne, wirbelt wie ein Derwisch darüber hinweg, liegt erschöpft am Boden, singt, springt, lacht und spricht zu uns. Erzählt uns in 3 Atemzügen vom Bürgerkrieg. Er lässt Tote wieder auferstehen und zwischen den holzschnittartigen Figuren, die der Commedia del Arteentspungen zu sein scheinen, das Grauen zu uns in den Theatersaal. Begleitet wird die Inszenierung von kräftigen Licht und Musikelementen.

Der Ritt beginnt in einem Krankenhaus, wo ein Arzt zwischen seiner Frau an der Strippe und den Eingelieferten Schwerstverletzten und Toten jongliert, bis das Grauen ihn erfasst und der Doktor sich in einemFrankensteinderwisch verwandelt und die Requisiten von der Bühne wirbelt. Nächster Atemuzug. Zwei Züge rasen ineinander. Es bleibt keine Zeit zum Verschnaufen, Krieg ist eben Krieg und hält einem immer in Bewegung, denkt sich Niagara Kate, und klammert sich an ihr Französischvokabular aus der 9. Klasse, in dem solche Worte nicht vorgesehen sind. Dritter Atemzug: In meinem Vokalbelheft steht nichts von Mienen und Kalaschnikows und Köpfen wegschießen.

Und vielleicht kann man das nur in dieser surrealen Weise auf die Bühne bringen, wie Beto und Eric das getan haben. Die Überzeichnung ist die Distanz, die vielleicht gebraucht wird, um etwas erkennen zu können von dem, was man nicht sehen kann, wenn man zu nah dran ist. 

Hauptsache, wir entfernen uns nicht zu weit, damit wir immernoch erkennen können, was es ist. Ich hatte gestern mein Fernglas vergessen, so dass ich erst über Gespräche die Handlung verstanden habe.

Die Koproduktion zwischen Fundamental und dem Arène Théâtre ist die Dritte Arbeit von Beto in Luxemburg, in den Jahren zuvor war er als Schauspieler zu sehen. Nun versucht er den Spielbetrieb des Arène Théâtre nach dem Tod Alfred Dogbés aufrecht zu erhalten und wird durch Steve Karier und Fundamental dabei unterstützt. Und das ist gut so.

Es gab kräftigen Applaus für das Team, und das war der für mich wirklich berührendste Moment des Abends, zu sehen, wie Eric Affocou seinem ersten Applaus in Europa begegnet ist: Ungläubig. Scheu. Glücklich.

Es tanzte für euch
eure
Niagara Kate