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Die Sache mit den Weißen - Le Papalagui

D’après Erich Scheuermann Adaptation Léon Kouyaté Avec Habib Dembelé Mise en Scène Hassane Kassi Kouyaté Lumières, Images, Son Cyril Mulon Décor et Costumes Anuncia Blas

Als ich im Programm gelesen habe, das Habib Dembelé dieses Jahr wieder Gast des Festivals sein wird und im dritten Jahr in Folge beim Monodramafestival auftritt, habe ich mich sehr gefreut, denn Habib ist ein außerordentlicher Schauspieler und Geschichtenerzähler. Gestern Abend lag ich lachend am Boden. Trotz Französisch.Ich glaube ich brauche Habib nicht mehr vorzustellen. Er ist renomierter Schauspieler aus Mali, in Afrika ein regelrechter Star, er lebt in Paris, arbeitete mit Peter Brook, wisst ihr ja alles schon, gell? Aber was war gestern zu sehen?

Eine Bearbeitung von Erich Scheuermanns Roman “Der Papalagi”, der erstmals 1920 erschien. Scheuermann dreht darin die Perspektive um, aus Sicht eines Südseehäuptlings, der zu seinem Volk spricht, werden alle Eigenarten der weißen Europäer unter die Lupe genommen. Ähnlich der Berichte, die Europäer von den Völkern anfertigten, die sie als Kolonialmächte unterwarfen, wird hier der Weiße in seinem Handeln und Aussehen beschrieben. Und das ist zum Piepen komisch, weil man sich wirklich fragt: Was tut sich der Europäer da eigentlich an: Korsetts, Hüte, Schlips, Schuhe, alles eng und unbequem. Die Sache mit dem Geld, dem Denken, der Zeit. Was für ein Konstrukt, um sich in der Existenz einen Anker zu schaffen.

In einer frontalen Bühnensituation ist im Hintergrung eine blau beleuchtete Leinwand und ein Diaprojektor. Ein Hocker steht auf der Bühne. Und ich weiß jetzt nicht mehr, ob der Koffer da schon lag, oder ob Habib den mit reingebracht hat, denn unmerklich hat er sich auf die Bühne geschummelt, während alle noch miteinander plaudern. Er ist nur mit einer Unterhose bekleidet und schaut uns an, begrüßt einzelne von uns, sofort wird einem warm, sofort fühlt man sich gemeint.

Dann legt er los und zeigt uns Dias vom Papalagui, einem von Scheuermann aus dem Samoaischen entliehener Begriff, der “Der Weiße” “Der Fremde” der “Himmelsdurchbrecher” meint. Die ersten Dias, die uns Habib zeigt sind leer. Wir sehen nur eine weiße Fläche, und wie er damit umgeht, uns Details darauf zeigt, sich verklickt, und die Rahmen wechselt, das ist ganz groß. Ich krümme mich in meinem Stuhl. Als dann irgendwann ein Jesusdia an die Leinwand geworfen wird, “ein berühmter Papalagui” puller ich mir fast in die Hose vor Lachen.

Mit einem grundgütigen Wesen wird uns da ein Spiegel vorgehalten, indem wir uns in unserer Absurdität erkennen. Und Habib Dembelé hat die Gabe, von der ich neulich schon sprach: Nämlich auf der Bühne unschuldig zu sein.

Wir sind begeistert. Habib veraschiedet sich von mir mit den Worten: Bis zum nächsten Jahr. Olreit. Das geht klar, Habib. Wir freuen uns schon.

Es krümmte sich für euch
eure
Niagara Kate 

Komische Dinger: Schuhe.