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Ein Pferderennen - Rolf C. Hemke im Interview

Gestern fand der Table Ronde zu “Le Soliloque dans la culture africaine” statt, den Rolf C. Hemke angeleitet hat. Ich war mir dabei und habe mir den Mann hinterher für ein Interview geschnappt.

Niagara Kate: Der Table Ronde ist gerade vorbei, mein Französisch ist nicht so gut, ich bin eher thematisch mitgeflossen, vielleicht habe ich was verpasst, aber wurde auch über die Rolle der Frauen im afrikanischen Monodrama gesprochen?
Rolf C. Hemke: Nein.
Niagara Kate: Gar nicht? In all den Jahren hab ich auch noch keine Frau aus der Subsahara hier beim Festival auf der Bühne gesehen. Gibt es keine guten Monodrama-Darstellerinnen, oder was ist das Problem?
Rolf C. Hemke: Doch gibt es. Natürlich. Gerade neulich habe ich eine Darstellerin gesehen, die war super, nur war die Inszenierung eben nicht gut. Was der Regisseur mit ihr da gemacht hat, hat mir nicht gefallen. Ich war dieses Jahr auch mehr im arabischen Raum unterwegs und da gibt es sehr gute Monodramen mit Frauen. Letztes Jahr war ja auch eine hier.
Niagara Kate: Maya Zbib.
Rolf C. Hemke: Genau. Und die aus Jordanien.
Niagara Kate: Lana Nasser. Stimmt. Aber auf dem Festival sind ja auch von 17 Produktionen nur 4 mit Frauen. Aber müsste es nicht Halbe Halbe sein? Die Hälfte der Menschen sind Frauen.
Rolf C. Hemke: Wenn du dir den deutschsprachigen Raum als Vergleich nimmst: Es sind eben mehr Rollen im klassischen Theater für Männer geschrieben und weniger für Frauen. Das ist immer noch so verteilt. Auch in Europa. Leider.
Niagara Kate: Warum hast du dich auf den arabischen und afrikanischen Raum spezialisiert?
Rolf C. Hemke: Das hat natürlich auch mit meinem Arbeitgeber, dem Theater an der Ruhr zu tun. Die haben diesen Schwerpunkt schon seit 25 Jahren. Aber ich war schon vorher als Journalist in Afrika unterwegs. Seit 2006 und meiner Zusammenarbeit mit dem Theater an der Ruhr hat sich das vertieft. Ich reise herum uns sehe mir Sachen an, empfehle sie weiter an Festivals. Wir gehen künstlerische Freundschaften ein, und schaffen Netzwerke. Maya Zbib macht jetzt beispielsweise eine Produktion in Krefeld.
Niagara Kate: Toll, das freut mich. Eigentlich stelle ich allen Leuten, die ich interviewe die selben Fragen, Marx oder Gandhi?
Rolf C. Hemke: Gandhi.
Niagara Kate: Ist das dein erstes Mal in Luxemburg.
Rolf C. Hemke: Oh Gott, nein, keine Ahnung, mein 20. oder mein 30. Mal. Ich war schon ganz oft hier.
Niagara Kate: Und wenn du Luxemburg mit einem Wort beschreiben müsstest?
Rolf C. Hemke: Steve Karier. Nee nur Karier. Karier.
Niagara Kate: Hast du einen Herzenswunsch?
Rolf C. Hemke: Ja. Weltfrieden. lacht Das meine ich ganz unpathetisch.
Niagara Kate: Klar.
Rolf C. Hemke: Wer solche Fragen stellt…
Niagara Kate:  Ist doch ein schöner Wunsch. Warum hast du dir den Beruf ausgesucht, den du machst?
Rolf C. Hemke: Das hab ich mir nicht ausgesucht. Das ist auf mich zugekommen, ich arbeite für die Völkerverständigung, das meine ich ganz unironisch. Ich habe Möglichkeiten in seltsame Länder zu reisen, ich meine manche Leute denken beim Wort Theater eben nicht gleich an… Tschad. Oder: Libanon. Leute kriegen diesen komischen Blick, wenn ich erzähle, wo ich so rumreise. Im Grunde habe ich die Vision vom Theater an der Ruhr gekapert. Die machen Kulturarbeit schon seit Mitte der 80er. Ich habe einfach unheimliches Glück, zu machen, was ich mache.
Niagara Kate: Dein Lieblingsgetränk?
Rolf C. Hemke:  Ein großer Weißer Burgunder. Ein Chardonnay aus dem Burgund. Ein Puligny-Montrachet 1er Cru, am besten Carillon oder Leflaive.
Niagara Kate:  Äh. Kannst du mir das aufschreiben?
Rolf C. Hemke: Ja. er tut es Carillon und Leflaive sind Erzeuger.
Niagara Kate: Aha. Danke. Was liebst du?
Rolf C. Hemke: Pferde. Pferderennen.
Niagara Kate:  Hast du einen Lieblingsort?
Rolf C. Hemke: Chantilly. Cheltenham
Niagara Kate:  Danke für das Interview.
Rolf C. Hemke:  Dafür nicht.