My Brother, My Sister - Bonjour mit Stinkefinger
Gestern Nachmittag haben Steve Karier und sein Team (Sophie Langevin, Anne Simon, Syliva Camarda, Jean Bermes und René Clemens) in der Bananenfabrik ihr Projekt My Brother, My Sisterpräsentiert. Ich hatte das Projekt ja schon in einem Mini-Interview mit der Festivalleitung vorgestellt.
Zum ersten Mal, seit ich das Festival kenne, hält Steve Karier eine Ansprache. Oke. Das muss ja irgendwie auch sein, denn die meisten Geldgeber für dieses Projekt sitzen in der 1. Reihe. Steve bedankt sich und erklärt, dass das, was wir sehen werden, eben nur das Zeigen eines Arbeitsprinzips ist, das nicht auf eine Vorführung ausgerichtet ist, nicht den Anspuch hat etwas zu erfüllen, weder in Form noch in Inhalt, sondern, dass der Weg, den die einzelnen Teilnehmer des Projektes in den letzten sechs Monaten gegangen sind, das Ziel ist.
Wie zeigt man das nun?
Indem man es tut.
Es ist zunächst etwas befremdlich, wenn 12 junge Menschen im Alter zwischen 17 und 28, die in ihrem Leben Probleme hatten, einen Schulabschluss zu machen und keine Arbeit gefunden haben, vorgeführt werden, im Kreis stehen und gemeinsam mit Steve die Katze, das Pferdund andere Einsprechübungen machen. Man hat das Gefühl es müssten eigentlich alle mitmachen, auch das Publikum, um den Zooeffekt zu überwinden. Ich denke zurück an mein Schauspielstudium an balalalobalalalubalalala… und ich weiß, wie schwierig diese Übungen sind. Bin mir aber nicht sicher, ob die von JPMorgan in der ersten Reihe das auch wissen.
Nachdem sich alle eingesprochen und warm gemacht haben leitet Anne Simon ein paar Übungen an und plötzlich wird es berührend und fein und traurig und komisch. Einzeln treten die Teilnehmer in die Mitte der Bühne und erzählen in wenigen klaren Sätzen, warum sie jetzt da stehen.
Da ist eine junge Frau, die Leukämie bekam und ihren Schulabschluß nicht machen konnte, und das zog eine ganze Kette an Ereingnissen und Komplikationen mit sich, die ihren Einstieg ins Berufsleben quasi verunmöglichten. Sie erzählt das ruhig und offen und sieht uns dabei an.
In einer Improvisation, angeleitet von Sophie Langevin, wo mit Imagination gearbeitet wird, und die Teilnehmer durch den Raum gehen und bestimmte Begriffe verkörpern sollen und sich dann in diesen Zuständen gegenseitig begrüßen sollen, wird es brüllend komisch: Ein junger Mann streckt bei jedem “Bonjour” seinen Stinkefinger ins Gesicht des Gegenübers. Provokation war der dazugehörige Begriff. Wir liegen am Boden. Auch die erste Reihe.
Und das ist wohl der Geist von My Brother, My Sister: dass die jungen Menschen, die vielleicht am Rande der Gesellschaft stehen, denen es bis vor einem halben Jahr nicht möglich war, einem Gegenüber in die Augen zu sehen, dass es diesem Menschen jetzt möglich ist, das zu tun und ihre Ängste auszuhalten. Dass es ihnen möglich ist für eine Sache zu arbeiten. Von nix kommt nix. Vielleicht ist My Brother, My Sister für die Teilnehmer ein Fenster in etwas Neues. Etwas, das Vertrauen weckt und Selbstwertgefühl.
Hier ist ein Teil der Gruppe:

Niagara Kate sagt: Daumen hoch und hofft auf eine Fortführung der Finanzierung des Projekts.
Es machte für euch das Pferd
Eure
Niagara Kate