CRÉATION d’après Je ne mourrai pas / Dans mon lit de Christoph Nussbaumeder

Der wenig bekannte Monolog Ich werde nicht sterben / In meinem Bett von Christoph Nussbaumeder ist die verstörte Innenwelt einer Frau, an der Grenze zur Paranoia. Der Autor hat seinen Text der russischen Journalistin Anna Politkowskaja gewidmet, die genau wusste dass sie nicht in ihrem eignen Bett sterben wird. Kaleidoskopartig wird alles hier zum Todesboten : Die sogenannten « Romeo »-Agenten, die in der Zeit des Kalten Kriegs Beziehungen oder sogar Ehen mit westdeutschen Frauen in Schlüsselpositionen eingingen, um, wenn die Zielperson keine Informationen zu bieten hat, wieder spurlos zu verschwinden. Die innere Stimme des Auftragsmörders aus dem Film Noir The Blast of Silence, die auch noch nach dem Tod ihres Protagonisten, weiterspricht. Der Regen aus Macbeth. Die Kaufhäuser, die Straßen, das tägliche Leben, die Gedanken, das Bett – alles. Wie in einem Gelübde skizziert der Text ein radikales Frauenporträt, indem die Protagonistin als Störfaktor einer genormten Gesellschaft die Studie ihres eignen Todes unternimmt.

 

Wie in einer Fuge soll der 2-seitige Text zur Grundlage eines performativen Theaterabends werden, indem die Prosa von Christoph Nussbaumeder wie ein variierter und immer wieder remixter Song zum Ohrwurm wird. Die im Text anskizzierten Zitate oder Figuren werden weiter gesponnen, Fremdtexte aus Peoplezeitschriften, Texte von Ulrike Meinhof, Stellen aus Macbeth und Fragmente berühmter Liebesfilme werden in die Rollenspiele der Schauspielerin Anne-Victoire Metzler einfließen und den Zusammenstoß radikalen, politischen Engagements und der Welt der Unterhaltungskultur provozieren.

 

Hauke Lanz, geboren 1969 in München, lebt seit 1992 in Paris, wo er Psychoanalyse und Theaterwissenschaft an der Université Paris VIII studierte und Regisseure wie Richard Foreman und Romeo Castellucci assistierte. Nach ersten Performances und Arbeiten in theaterfremden Orten in Berlin und Paris inszenierte er Das Flanellnachthemd von Leonora Carrington (Ex Teresa Arte Actual, Mexico-City, 2000), Anticlimax von Werner Schwab (MC 93, Bobigny, 2002), das von ihm konzipierte Projekt Erotica Asphyxia (Festival Frictions / Théâtre Dijon Bourgogne, 2004), Disparitions nach Sophie Calle (Grand Manège de Namur, 2005), norway.today von Igor Bauersima (Théâtre National, Brüssel, 2006) und Angstblau nach dem Roman « Der Schrei der Sanduhr » von Chloé Delaume (Theater Freiburg, 2007). Mit Eden morgens mittags abends setzt Hauke Lanz die in Freiburg begonnene Zusammenarbeit mit der Autorin Chloé Delaume fort. Es entstehen zwei Inszenierungen zum Stück : 2009 eine französische an der Méangerie de verre in Paris und 2010 eine deutsche am Pathos Theater in München. Paralell zu der Inszenierung von Die sexuellene Neurosen unserer Eltern von Lukas Bärfuss (Théâtre Paris-Villette, 2009) entsteht ein Internettheaterprojekt. In fünf interaktiven Folgen von diesexuellenneurosenunserereltern-unddu? (lesnevrosessexuellesdenosparents-etvous.fr, x-réseau / Théâtre Paris-Villette / La Chartreuse – Centre national des écritures du spectacle, Villeneuve-lès-Avignon, 2009 > 2010) werden die Themen von Inszenierung und Stück performativ variiert und per Livestream übertragen. Im Rahmen dieser Internenttheater-Recherche wird Hauke Lanz mehrere Male in die Chartreuse eingeladen, letztens im März dieses Jahres mit dem Internettheaterprojekt Connexions (Probe 03#11, La Chartreuse – Centre national des écritures du spectacle, Villeneuve-lès-Avignon, 2011).

 

Anne-Victoire Metzler, geboren 1984, begann ihre Schauspielausbildung 1998 am Konservatorium der Stadt Luxemburg und setzt diese 2003 in Paris, an der Europäischen Schauspielschule Florent, fort. Seit dem Abschluss ihrer Schauspielausbildung, arbeitete sie u.a. mit den Regisseuren Géraud und Guilhem Castan (D.cintrés, Festival Casino 2000, Mondorf, 2007), Bruno Liviero (Helena in Onkel Vania von Tschechow, Festival Art and Light, Hesperange, 2008) und Fanny Laudicina (L’enfer ne me fait pas peur, nach Texten von de Sade, Louis Calaferte und Hervé Guibert, Théâtre du Nord-Ouest, Paris, 2009). Sie wirkt auch in zahlreichen Filmen und Kurzfilmen mit, u.a. in: Luftbusiness (2007) von Dominique de Rivaz, Tausend Ozeane (2008) von Luki Frieden und Trouble no more (2009) von Andy Bausch.

Mise en scène et scénographie
Hauke Lanz
Avec
Anne-Victoire Metzler
Collaboration dramaturgique
Charlotte Hébert
Assistante scénographie et costumes
Elisabeth Junck
Chargée de production et de diffusion
Karine Liviero
Photos
© Bohumil Kostohryz
Jeudi 07 juillet 2011
20:00 | Kulturhaus Niederanven